BUND- Projekt erweitert – Finanzierung durch die Naturschutzstiftung Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven

Bernd PannbackerFledermausbetreuer des Landkreises Friesland und der Stadt Wilhelmshaven, Bernd Pannbacker, und weitere NaturschĂŒtzer des BUND (Bund fĂŒr Umwelt- und Naturschutz) haben in den letzten Wochen in ĂŒber hundert Arbeitsstunden zwei Bunkeranlagen in Varel und CĂ€ciliengroden fĂŒr FledermĂ€use optimiert. „ZunĂ€chst haben wir sie von jeder Menge MĂŒll und GerĂŒmpel befreit. Dann wurden an mehreren Stellen raue Hohlblocksteine an den Decken befestigt, denn die verputzten Decken und Gewölbe sind zu glatt um einer Fledermaus Halt zu bieten. Auch die Montage von Rasengittersteinen, deren Aussparung in der Mitte mit KlinkerstĂŒcken und Zement verkleinert wurde, oder Dachpfannen sind dafĂŒr geeignet“ erklĂ€rt Bernd Pannbacker.

Mit den Steinen werden Hang- und Versteckmöglichkeiten fĂŒr die Tiere geschaffen, die so einen geeigneten Platz fĂŒr ihren Winterschlaf erhalten. Außerdem wurden die BunkereingĂ€nge mit StahltĂŒren versehen, die einen breiten Einflugschlitz enthalten. So können die FledermĂ€use einfliegen, Unbefugten sowie spielenden Kindern bleibt der Zutritt dagegen verwehrt.

Die Erfahrungen mit zuvor hergerichteten Bunkern zeigt, wie gut diese Überwinterungsmöglichkeit von den SĂ€ugetieren angenommen wird. Bei Bestandserfassungen wurden schon ĂŒber 100 Tiere von vier verschiedenen Fledermausarten in den optimierten Bunkern gefunden. Vor allem Langohr, Wasser- und Fransenfledermaus kommen vor. Damit sich die FledermĂ€use wohl fĂŒhlen muss das Mikroklima stimmen: die Bunker mĂŒssen frostsicher sein und die Luftfeuchtigkeit muss deutlich ĂŒber 80% liegen. Um die Frostsicherheit zu gewĂ€hrleisten werden manche Anlagen mit Erde bedeckt. Andere sind so verschĂŒttet, dass die EingĂ€nge erst durch Grabungen freigelegt werden mĂŒssen.

Armin Tuinmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Naturschutzstiftung: „Wir freuen uns dieses sinnvolle Projekt unterstĂŒtzen zu können und sind gespannt auf die Ergebnisse der nĂ€chsten Bestandserfassungen in diesen Bunkern.“ Die Stiftung unterstĂŒtzt aus den ErtrĂ€gen des Stiftungskapitals und dem Erlös aus der Aktion „Jede Kiste schĂŒtzt die KĂŒste“ des Friesischen Brauhauses zu Jever regionale Maßnahmen fĂŒr den Natur- und Umweltschutz.

Ehemalige SchutzrĂ€ume, die fĂŒr den Winterschlaf der FledermĂ€use geeignet sind, wie Bergwerkstollen, Burgen und Kirchen, Bunker und Weinkeller wurden im 20. Jahrhundert zugemauert, die GebĂ€ude wurden isoliert und modernisiert. Damit entzog der Mensch den Tieren ĂŒberlebenswichtige RĂŒckzugsmöglichkeiten. Folglich sind FledermĂ€use in Europa selten geworden. Viele Arten stehen auf der roten Liste.

Optimierungen von Bunkern werden seit 1997 in unserer Region durchgefĂŒhrt. Mit den neu hergerichteten Anlagen sind es 17 Optimierungen in Wilhelmshaven, Schortens, Jever, Sande Zetel, Varel und Wangerland. Die GesamtlĂ€nge aller unterirdischen Anlagen betrĂ€gt inzwischen ca. 500m.

Bei den seit 1988 bekannten Quartieren in RĂŒstersiel und der VerlĂ€ngerung der Schloßgraft in Jever waren keine Maßnahmen nötig, da sie unterirdisch und in Klinkerbauweise angelegt sind. Hier ĂŒberwintern ca. 400-600 FledermĂ€use von bis zu fĂŒnf Arten. Neben dem Mikroklima ist auch die Lage ein Auswahlkriterium. Eine ruhige Wald-Dorf-Stadtlage ist vorteilhaft. Die ZugĂ€nge mĂŒssen teilweise mehrmals im Jahr durch starken RĂŒckschnitt von StrĂ€uchern freigelegt werden.

Bestandserfassungen (= Kontrollen/ ZĂ€hlungen/ Artbestimmungen) werden zweimal, im Jahr  und zwar im Januar und Februar, von Experten durchgefĂŒhrt. Die Daten werden dem NLWKN (NiedersĂ€chsischer Landesbetrieb fĂŒr Wasserwirtschaft und Naturschutz) ĂŒbermittelt.
Das Gesamtprojekt „Bunkeroptimierungen zu Fledermaus- Winterquartieren in Friesland und Wilhelmshaven ist nahezu abgeschlossen, einige wenige könnten noch folgen.

Ein besonderer Dank gilt allen Helfern sowie Kommunen und Privatpersonen fĂŒr die Genehmigung zur Herrichtung der Objekte.

Die genauen Standorte und der Besatz der optimierten Anlagen sollen bewusst nicht veröffentlicht werden, damit die Tiere ungestört bleiben. Jede Störung im Winterschlaf verringert die Chance der FledermĂ€use, beim Aufwachen im FrĂŒhjahr noch genug Energie zu haben, um zu ihrem Sommerquartier zu fliegen und nach Beute jagen zu können.

 

(Text: Tanja Fleckstein)

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