Umwelt und KĂĽste



Einleitung

Die Errichtung von Stiftungen macht im wesentlichen das Vorliegen von zwei Grundvoraussetzungen notwendig: Das Aufbringen des notwendigen Kapitals und die Formulierung des Stiftungszweck.
In Zeiten knapper Kassen bei den öffentlichen Haushalten ist die Bereitstellung von Mitteln, die für die Errichtung einer Stiftung notwendig sind, keine ganz einfaches Unterfangen. Der Stiftungszweck ist schon leichter formuliert, da es auch in Zeiten knapper Kassen und dem daraus resultierenden Streichen von freiwilligen Leistungen im Umwelt- und Naturschutz eine ganze Reihe von Projekten gibt, die durchgeführt werden sollten.

Im folgenden Beitrag wird beschrieben, wie eine kommunale Kooperation ĂĽber Kreisgrenzen hinweg, eben die Errichtung einer Stiftung, auch durch das privatwirtschaftliche Engagement eines Unternehmens innerhalb weniger Jahre zum Erfolg gefĂĽhrt werden kann.

Gleichzeitig wird auch auf die Entstehung der Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven eingegangen.

 

1 Die Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven

1.1 Vorgeschichte

Mit der Gründung einer Flächenagentur in der Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven im nordwestlichen Niedersachsen im Jahre 2003 sind nicht nur die Aufgaben dieser Agentur vereinbart und festgelegt worden. Die Landkreise, Städte und Gemeinden streben nach der seinerzeit abgeschlossenen Verwaltungsvereinbarung, in der die Zusammenarbeit innerhalb der Flächenagentur geregelt worden ist, an, dass sie die Flächen, die für die Durchführung von Kompensationsmaßnahmen in ihrem Eigentum stehen, auf eine noch zu gründende Stiftung zu übertragen, die langfristig die Sicherung und Pflege übernimmt.
Die Flächenagentur Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven hat die Aufgabe, in der Region der Landkreise Friesland und Wittmund sowie der Stadt Wilhelmshaven die Beschaffung von Flächen, auf denen Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen nach der Naturschutzgesetzgebung in der Bundesrepublik Deutschland bzw. im Bundesland Niedersachsen durchgeführt werden sollen, so zu organisieren, dass die Flächen hierfür auch geeignet sind und langfristig ein Biotopverbundsystem geschaffen wird.
Der Landkreis Friesland hat sich in seiner federführenden Funktion bei der Gründung der Flächenagentur auch bereits intensiv mit dem Stiftungsgedanken beschäftigt. Im September 2003 hat sich der zuständige Fachausschuss des Kreistages des Landkreises Friesland zum ersten Mal mit der beabsichtigten Errichtung einer Stiftung befasst. Die Verwaltung des Landkreises wurde beauftragt, Gespräche mit den benachbarten Kommunen, d. h. mit dem Landkreis Wittmund und der Stadt Wilhelmshaven aufzunehmen, um die Errichtung der Stiftung voranzutreiben. Mit der Gründung sollten folgende Ziele verfolgt werden:

  • die Betreuung von Flächen, die fĂĽr Naturschutzzwecke erworben worden sind,
  • ein Angebot auch an Dritte, z. B. die Agrarstrukturverwaltung oder die StraĂźenbauverwaltung, zur Ăśbertragung von Flächen mit Kompensationsverpflichtungen (DurchfĂĽhrung von Ausgleichs- oder ErsatzmaĂźnahmen nach der Naturschutzgesetzgebung) auf die Stiftung.

Der Kreistag des Landkreises Friesland hat auf seiner Sitzung am 22.12.2005 beschlossen, dass der Landkreis Friesland gemeinsam mit dem Landkreis Wittmund und der Stadt Wilhelmshaven die Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven errichtet. Hierfür sollte vom Landkreis Friesland ein Stiftungskapital in Höhe von 12.000,-- € zur Verfügung gestellt werden.
Vom Kreistag des Landkreises Wittmund sowie dem Rat der Stadt Wilhelmshaven liegen gleichlautende BeschlĂĽsse vor.
Im Laufe des Jahres 2005 hat sich das Friesische Brauhaus zu Jever entschlossen, als weiterer Mitstifter aufzutreten.

1.2 Vorstellung der Naturschutzstiftung Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven

Mit Urkunde des Niedersächsischen Innenministeriums vom 17. Mai 2006 wurde die Naturschutzstiftung unter Zugrundelegung des Stiftungsgeschäft und der Satzung vom 9. Mai 2006 als rechtsfähig anerkannt. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch die Finanzverwaltung folgte kurz darauf.
Das Stiftungsgeschäft besagt, dass die Landkreise Friesland und Wittmund sowie die Stadt Wilhelmshaven und das Friesische Brauhaus zu Jever die Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven als selbständige rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts errichten. Die Stiftung wurde mit einem Vermögen in Höhe von 50.000,-- € (Grundstock) ausgestattet.
Die Stiftung wird durch einen aus 5 Personen bestehenden Vorstand nebst Geschäftsführung sowie durch ein aus 11 Personen bestehendes Kuratorium (Stiftungsrat) verwaltet. Diese stellen die Organe der Stiftung dar.

1.2.1 Stiftungszweck

Zweck der Stiftung ist die Förderung von Natur- und Landschaftsschutz und die Schaffung eines Biotopverbundsystems in den Landkreisen Wittmund, Friesland sowie der Stadt Wilhelmshaven. Die Maßnahmen der Stiftung ergänzen und unterstützen die gesetzlichen Aufgaben. Der Stiftungszweck sieht aber auch selbständige Maßnahmen zur Pflege von Natur und Landschaft sowie zum Schutz heimischer Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensgemeinschaften sowie die Förderung derartiger Maßnahmen vor. Dies bedeutet, dass in der Region regional typische Lebensräume mit ihren Tier- und Pflanzenarten gefördert und erhalten werden sollen. Mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital besteht die Möglichkeit entsprechende Projekte in der Region zu fördern und zu unterstützen.
Neben der Förderung von Projekten ist auch der Erwerb und die Übernahme von Flächen eine wichtige Aufgabe der Stiftung, die Durchführung von Maßnahmen auf diesen Flächen und eine naturschutzfachlich ausgerichtete Nutzung in Kooperation mit der Landwirtschaft. Hierauf wird in diesem Beitrag jedoch jedoch nicht eingegangen.

1.2.2 Organe der Stiftung

Dem Vorstand gehören rotierend die Hauptverwaltungsbeamten der Landkreise Friesland und Wittmund bzw. der Stadt Wilhelmshaven mit einer Amtszeit von jeweils 4 Jahren an, sowie jeweils ein Mitglied aus dem Rat der Stadt Wilhelmshaven und den Kreistagen der Landkreise Friesland und Wittmund. Hinzu kommt ein Vertreter des Friesischen Brauhauses zu Jever.
Das Kuratorium (Stiftungsrat) setzt sich zusammen aus den Beauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege der Landkreise Wittmund und Friesland sowie der Stadt Wilhelmshaven, einem Vertreter des Niedersächsischen Forstamtes Neuenburg und einem Vertreter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, einem Vertreter der landwirtschaftlichen Berufsvertretung (Landvolk), zwei Vertretern der anerkannten oder in der Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven aktiv tätigen Naturschutzverbände bzw. -vereine sowie jeweils ein Vertreter der unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Friesland und Wittmund und der Stadt Wilhelmshaven.
Die Geschäftsführung besteht aus dem Geschäftsführer und seinem Vertreter. Der Geschäftsführer ist derzeit Mitarbeiter des Landkreises Friesland im Fachbereich Umwelt und nimmt die Tätigkeit der Geschäftsführung nebenamtlich wahr.

1.3 Die Rolle des Friesischen Brauhauses zu Jever während der Gründungsphase und darüber hinaus

Im Jahr 2005 wurden erste Gespräche mit dem Friesischen Brauhaus zu Jever hinsichtlich einer möglichen Unterstützung während der beabsichtigten Stiftungsgründung durch das Unternehmen geführt. Die Vertreter des Friesischen Brauhauses, das seinerzeit noch unter dem Dach des Unternehmens Brau und Brunnen firmierte, machten deutlich, dass von Seiten der Konzernleitung beabsichtigt sei, die geplante Naturschutzstiftung finanziell zu unterstützen.
Eckpunkte des Gesprächs waren:

  1. Es wurde deutlich gemacht, dass eine für den September 2005 geplante Werbekampagne sich nicht ausschließlich auf den Landkreis Friesland beschränken kann, sondern dass ebenfalls der Bereich Ostfriesland bzw. auch die Gebiete östlich der Weser dazugehören und aus marktpolitischen Gründen die Werbekampagne entsprechend anzulegen sei.
  2. Es wurde ebenfalls deutlich gemacht, dass die Zusammenarbeit nach Auffassung von Brau und Brunnen bzw. der Konzernspitze ĂĽber mehrere Jahre laufen und stark ĂĽber Funk bzw. ĂĽber Plakate beworben werden sollte. Ein bestimmter Anteil pro verkauften Kasten sollte an die Stiftung flieĂźen.
  3. Die Nachhaltigkeit der Aktion bzw. der Kampagne sollte im Mittelpunkt stehen und entsprechend belebt werden. Dabei sollte u. a. auch der Mensch im Mittelpunkt stehen. Der Landkreis Friesland wurde gebeten, entsprechende Personen, die zu einer Mitarbeit im Bereich der Werbung fĂĽr die Aktion bereit sind, zu benennen.

Der Landkreis Friesland als FederfĂĽhrender wurde auch gebeten, Projekte zu benennen, die fĂĽr eine Werbekampagne genutzt werden konnten. Eine ganze Reihe von Informationen bis zu Ideenskizzen sind daraufhin zur VerfĂĽgung gestellt werden.
Das Friesische Brauhaus zu Jever ist bei einer ganzen Reihe von Vorhaben und Projekten als Sponsor aufgetreten z.B. im Bereich des Sports. Bei allen Förderungen fällt der regionale Bezug auf, auf den von Seiten des Brauhauses besonderer Wert gelegt wurde.
Vor 2005 war das Brauhaus als Sponsor im Umwelt- und Naturschutz noch nicht in Erscheinung getreten. Das Unternehmen konnte letztlich durch Ăśberzeugung fĂĽr ein Sponsoring in diesem Bereich gewonnen werden. Die Ăśberlegungen im Zusammenhang mit der beabsichtigten Errichtung einer Naturschutzstiftung und vor allem der damit verbundene regionale Bezug hat die Verantwortlichen beim Friesischen Brauhaus ĂĽberzeugt als Sponsor und auch als Mitstifter aufzutreten.

1.3.1    Die Entstehung des Projekts „Umwelt und Küste“
GrĂĽndung der Stiftung

Ergebnis dieses Prozesses war dann 2005 die Initiierung des Projekts „Umwelt und Küste“, bei dem ein bestimmter Betrag pro verkauftem Kasten der einzelnen Marken des Brauhauses als Spende an die Naturschutzbehörde des Landkreises Friesland gezahlt wurde, die diese Gelder treuhänderisch für die in der Gründung befindliche Naturschutzstiftung zu verwalten hatte.
Im Vorfeld des Projekts wurden keine sozialen Interessen der Käufer ermittelt. Es bestand aber die Möglichkeit während der Laufzeit der einzelnen Aktionen 2005 – 2008 auf der Internetseite des Friesischen Brauhauses ein Votum (Finde ich gut / Finde ich nicht gut) abzugeben. Dabei ergab sich in allen Jahren eine Zustimmung zu der Aktion von 95 – 98 %.
„Als Unternehmen der Region sehen wir uns hier in der Verantwortung. Gemeinsam starten wir jetzt eine Aktion, die wir in unserer Heimat mit Herz und Seele begleiten werden. Schließlich braucht auch ein gutes Jever nichts so sehr, wie sauberes Wasser aus gesunder Natur“, so der Geschäftsführer des Brauhauses in einer Pressemitteilung der Wilhelmshavener Zeitung vom 30.09.2005 zu Beginn des Projekts
Das Brauhaus wies auch in den folgenden Jahren immer wieder intensiv auf die jeweiligen Aktionen hin. „Wirksamer Naturschutz beginnt in den Köpfen und Herzen der Menschen. Naturschutz lebt vom Miteinander, wenn jeder etwas beitragen kann“, so die Pressesprecherin des Friesischen Brauhauses zu Jever am 08.12.2007 in der Wilhelmshavener Zeitung.
„Umwelt und Küste“ wurde in den Jahren 2006 – 2008 fortgesetzt und brachte der Stiftung Einnahmen in Höhe von insgesamt 245.000 €, davon ein Betrag von 14.000 als Stiftung in den Grundstock und 122.000 € als Zustiftung. Die restliche Summe floss der Stiftung als Spende zu.

 

2  Das Friesische Brauhaus zu Jever

2.1 Das Unternehmen

GegrĂĽndet 1848, war das Brauhaus nur eine von vielen Brauereien der Region. 1867 verkaufte der Sohn des GrĂĽnders die Brauerei. Der neue EigentĂĽmer begann damit, den kleinen Familienbetrieb in eine groĂźe Brauerei zu verwandeln, Werbung zu machen und es wurden spezielle angefertigte Flaschen verwendet.
1922 wurde das Brauhaus an die Hamburger Bavaria-St. Pauli-Brauerei verkauft. Das Bier aus Jever war zu diesem Zeitpunkt bereits überregional bekannt und ab 1934 wurde es unter dem heute noch gültigen Namen „Jever Pilsener“ verkauft. Nach dem 2. Weltkrieg wurde zunächst nur noch an Selbstabholer direkt an der Brauerei verkauft.
Im Anschluss an die Nachkriegszeit verbesserte sich die Situation. Das meistverkaufte Bier war „Jever Export“, das bis 1990 gebraut wurde. Im Laufe der 1960er Jahre wurde das Pils beliebter und die Verkaufszahlen von „Jever Pilsener“ stiegen. In dieser Zeit wurde das Brauhaus deutlich erweitert und ausgebaut.
Seit 1994 gehört die Brauerei zur Dortmunder Brau & Brunnen-Gruppe, die seit 2004 ein Teil der Radeberger Gruppe innerhalb des Oetker Konzerns ist.
Heute hat das Brauhaus ungefähr 270 Mitarbeiter und es werden pro Stunde ca. 60.000 Flaschen abgefüllt.
Die Brauerei stellt folgende Biere her: Jever Pilsener, Jever Fun (alkoholfreies Pilsner), Jever Light (Leichtbier mit geringerem Alkoholgehalt), Jever Lime (Biermischgetränk mit Limetten und 2,5 % Vol. Alkoholgehalt). Das Jever Maibock wurde aufgrund schlechter Absatzzahlen im Jahr 2010 eingestellt. Die Produktion des seit 2002 gebrauten Schwarzbiers„Jever Dark“ wurde 2008 eingestellt. Außerdem wird aus hauseigenem Bier ein Branntwein hergestellt. Das meistverkaufte Bier der Marke Jever ist das Jever Pilsener, das 75 % der Gesamtproduktion ausmacht. (wikipedia, 2010)

 

3 Das Projekt „Umwelt und Küste“

3.1 DurchfĂĽhrung

2005 begann das Friesische Brauhaus in einer 1. Auflage der Projekts mit der Aktion „Ich bin dabei! Jede Küste schützt die Küste“. Unterstützt wurde die Aktion ab dem 1. Oktober 2005 bis zum Aktionsende im Dezember 2005 durch eine klassische Plakatwerbung mit großflächigen Plakaten an etwa 720 Standorten im gesamten Norden der Bundesrepublik Deutschland und Radiowerbung in der Region. Dabei ist vom Friesischen Brauhaus kein professionelles Werbegesicht verpflichtet worden, statt dessen wurde mit Günther Ihnken, einem Küstenfischer aus Horumersiel im Landkreis Friesland ein Gesicht gefunden, der der Aktion „sein Gesicht verlieh“. Authentisch für die Marke Jever stand er sozusagen als Mann von nebenan stellvertretend für alle, die das Brauhaus bei dem Projekt „Umwelt und Küste“ unterstützen sollten.
Von jedem deutschlandweit in der Zeit vom 1. Oktober - 11. Dezember 2005 verkauften 24 x 0,33 l Kasten aller Marken flossen 20 Cent an die in GrĂĽndung befindliche Stiftung.
Für die Aktiven hatte das Friesische Brauhaus bei der Aktion 2005 noch ein extra Dankeschön parat. Für 10 gekaufte Kisten Jever gab es gratis ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich bin dabei“.
Die Aktion erbrachte einen Erlös von 130.000 €, der vom Friesischen Brauhaus durch einen Betrag von 10.000 € als Spende noch aufgestockt wurde. Die Gelder flossen dem Stiftungskapital zu, soweit sie als Spende nicht unmittelbar für die Projekte Gelegeschutz und Wiesenweihenschutz (s. 3.2) verwendet wurden.
Die Aktion 2006 stand unter dem Motto „Ich bin wieder dabei“. Diese Aktion wurde bei einer Versammlung des Kreislandvolkverbandes Friesland e. V. im Februar 2006 vorgestellt, um für Unterstützung bei den Projekten Gelegeschutz und Wiesenweihenschutz zu werben. In der Zeit vom 15. Mai – 30. Juni 2006 flossen von jedem 24 x 0,33 l Kasten „Jever Pilsener“ 20 Cent der Stiftung zu. Auch Günter Ihnken warb wieder für die Aktion des Brauhauses. Beworben wurde das Ganze auf etwa 800 Plakatwänden und durch zahlreichen Anzeigen in der Kernmarktregion des Brauhauses. Die Aktion erbrachte einen Erlös von 40.000 €, davon 34.000 € als Spende und 6.000 € als Zustiftung.
Umwelt unf Küste2007 wurde das Projekt „Umwelt und Küste“ fortgesetzt, Von jedem in den Monaten Juli und August 2007 im Kerngebiet der Marke verkauften 24 x 0,33 l Kasten „Jever Pilsener“ flossen wieder 20 Cent der Stiftung zu. Unter dem Motto „Gute Aussichten für die Küste“ waren neben Günter Ihnken auch drei aktive ehrenamtliche Naturschützer aus der Region auf den Plakaten des Friesischen Brauhaus zu sehen. Auch diesmal ging es dem Brauhaus bei der Fortsetzung der Kampagne darum keine professionellen Werbegesichter, sondern individuelle Persönlichkeiten aus der Region für die Werbung zu gewinnen. Der Erlös betrug 33.000 € als Spende.
2008 stand unter dem Motto „Jede Kiste schützt die Küste“. Im Aktionszeitraum vom 26. Mai - 11. Juli flossen von jedem 24 x 0,33 l Kasten Jever der in der Region verkauft wurde 20 Cent als Spende an die Stiftung. 2008 sind Umweltprojekte in der Region im Rahmen eines Wettbewerbs gefördert worden. Hierfür waren Bewerbungen möglich, über die dann die Organe der Stiftung auf ihren Sitzungen Ende 2008 entschieden haben. Der Erlös betrug 32.000 € als Spende.

3.2 Die geförderten Projekte

Geförderte Institution: Untere Naturschutzbehörde des Landkreis Friesland
Projekt: Gelegeschutz im Landkreis Friesland
Der im Jeverland prominente Kiebitz mit dem akrobatischen Flugstil und dem typischen Ruf „Kie-witt“ steht inzwischen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Größere Rasttrupps außerhalb der Brutzeit stammen häufig aus dem nordosteuropäischen Raum und dürfen nicht über den dramatischen Rückgang des Kiebitzbestandes in der norddeutschen Tiefebene hinwegtäuschen. Durch Kultivierung der Landschaft, durch Trockenlegung von Sümpfen und Feuchtwiesen musste er sich von Feuchtgebieten auf Grünland und Äcker umstellen. Hier werden die Bodengelege durch landwirtschaftliche Arbeiten häufig zerstört. Die wenigen erfolgreich geschlüpften Küken sind weiteren Gefahren ausgesetzt. Insektenarmut, Pestizideinsatz, zu steile Gräben, zu viele Weidetiere und zu frühe Mähtermine, die insgesamt intensive Landwirtschaft, werden dem Kiebitz zum Verhängnis.
Einen Ausweg bietet das langfristig angelegte Projekt der Naturschutzstiftung Region Friesland – Wittmund – Wilhelmshaven. Die Gelege von Kiebitzen und anderen Wiesenbrütern werden ausfindig gemacht und markiert. Die örtlichen Landwirte erklären sich bereit die Nester bei der Bearbeitung der Flächen auszusparen bzw. das Vieh erst später auf die betreffende Weide zu bringen. Sie erhalten pro geschützten Gelege eine Ausgleichszahlung. Diese Form von Vertragsnaturschutz in enger Abstimmung und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und den örtlichen Landwirten ist neben extensiver Nutzung der Grünlandflächen und gezielten Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushaltes ein wirksames Mittel für den Schutz der Wiesenbrutvögel. Der Gelegeschutz ist als dauerhaftes Projekt angelegt.

  • Geförderte Institution: Untere Naturschutzbehörde des Landkreis Friesland
    Projekt: Wiesenweihenschutz im Landkreis Friesland
    Die Stiftung unterstützt seit ihrer Errichtung das Projekt zum Schutz der Wiesenweihe des Landkreises Friesland.Da ihre ursprünglichen Lebensräume zerstört und immer weiter eingeengt worden sind brütet die Wiesenweihe, eine vom Aussterben bedrohte Vogelart, ausschließlich in Getreidefeldern. Doch in Wintergerste oder -weizen droht ihr mit dem Mähdrescher eine tödliche Gefahr, gegen die jede natürliche Gefahrenanpassung der Vögel wirkungslos ist. Diese Gefahr wird durch die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gebannt und damit ein wesentlicher Beitrag zum Schutz der Wiesenweihe geleistet. In Zusammenarbeit mit den Landwirten werden die Nester der Weihen in den Getreidefeldern markiert. Es wird ein Bereich von etwa 25 x 25 m gekennzeichnet. Der Mähdrescher spart bei seiner Arbeit diesen Bereich aus. Der Nutzungsausfall wird entschädigt. Der Wiesenweihenschutz ist ebenfalls als dauerhaftes Projekt angelegt.
  • Geförderte Institution: Das Projekt wurde von der Stiftung in eigener Verantwortung durchgefĂĽhrt.
    Projekt: Beobachtungsplattform auf Wangerooge, Landkreis Friesland
    Das Niedersächsische Wattenmeer wird Jahr für Jahr von Tausenden von Erholungssuchenden aufgesucht. Allein auf den Ostfriesischen Inseln werden in der Sommersaison mehrere hunderttausend Übernachtungen gezählt. In dieser Region brüten aber gleichzeitig Tausende von See- und Küstenvögel, die sich den Platz mit den Menschen teilen müssen.
    Mit der Gründung des Nationalparks \\\\\\\"Niedersächsisches Wattenmeer\\\\\\\" wurden viele besonders störungsempfindliche Bereiche als Ruhe- bzw. Zwischenschonzone geschützt. Hier ist das Betreten nur auf zugelassenen Wegen gestattet. Diese Regelungen und die Wegeführung haben die Störungen für viele brütende Vögel bereits erheblich reduziert. Dies gilt jedoch nicht für die strandbewohnenden Arten wie Seeregenpfeifer oder Zwergseeschwalbe. Die negative Bestandsentwicklung bei diesen beiden Arten macht deutlich, wie problematisch der Strand für die Arten geworden ist, die nicht auf andere Lebensräume ausweichen können. Seeregenpfeifer und Zwergseeschwalbe besiedeln vor allem Strukturen auf den Inseln, die von einer starken Dynamik gekennzeichnet sind. Oft bestehen diese Lebensräume nur wenige Jahre, sie entwickeln sich durch Bewuchs weiter zu Weißdünen oder sie werden durch Wind und Wasser abgetragen und entstehen an anderer Stelle neu. Die Fähigkeit der Strandvögel auf diese Veränderungen flexibel zu reagieren zeigt ihre besondere Anpassung an einen von starker Dynamik geprägten Lebensraum. Touristische Nutzungen auf weiten Strandbereichen machen ihn ungeeignet für diese Brutvögel. Beiden Vogelarten wird zum Verhängnis, dass sie auch auf Einzelstörungen sehr empfindlich reagieren.
    Im östlichen Bereich der Insel Wangerooge wird zusätzlich zur Wegeführung durch den Bau einer Informationsplattform der Strom der Besucher noch weiter gelenkt. Die Plattform an attraktiver und erhöhter Stelle in den Dünen bietet einen guten Überblick über den gesamten Bereich. Durch eine Informationstafel werden die Besucher auf den speziellen Lebensraum am Ostende einer Ostfriesischen Insel und die besonderen Lebensraumansprüche der Strandbrüter hingewiesen.
    Mit dem Bau der Plattform wurde 2007 die Ausbildungsstätte der Kreishandwerkerschaft Friesland beauftragt, die das Objekt im Rahmen der Ausbildung von Tischlern und Zimmerern konzipierte, baute und auch auf der Insel aufstellte. Die Fläche für den Bau wurde von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zur Verfügung gestellt. Investiert wurden insgesamt knapp 20.000 €.
    Die Beobachtungsplattform auf der Insel Wangerooge wird inzwischen von der Ostfriesischen Tourismus GmbH inzwischen als Ausflugstipp empfohlen.

Die folgenden Projekte sind im Rahmen eines Wettbewerbs 2008 gefördert worden. Vorstand und Kuratorium befassten sich nach Abschluss der Aktion mit den eingegangenen Bewerbungen. Insgesamt gingen 23 Projektideen ein, von denen 10 gefördert wurden.

  • Geförderte Institution: Nationalparkhaus Rosenhaus, Wangerooge
    Projekt: „Unterwegs auf Wangerooge“
    Seit 1997 bietet der Inselführer „Unterwegs auf Wangerooge“ viel Wissenswertes über Klima, Luft, Boden, Tiere und Pflanzen, aber auch über die Inselgeschichte, den Inselschutz und die Seeschifffahrt. Das dazu bestehende Beschilderungssystem ist komplett erneuert und durch weitere Stationen ergänzt worden, u.a. auch um die Aussichtsplattform, die durch die Stiftung als eigenes Projekt errichtet wurde. Die Inselgemeinde gehört zum Landkreis Friesland.
  • Geförderte Institution: Gemeinde Wangerland
    Projekt: Aufreinigung und Herrichtung des Fehtings in Ziallerns
    Das Wurtendorf Ziallerns in der Gemeinde Wangerland, Landkreis Friesland, ist nicht nur Landschaftsschutzgebiet, sondern auch Bodendenkmal nach den Bestimmungen des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes. Der sog. Fehting, eine Süßwasserstelle auf der Wurt, ist aufgereinigt und wiederhergerichtet werden. Es wurde ein Zaun gebauen, der Rundweg um den Fehting erweitert und eine Informationstafel über die Bedeutung des Wurtendorf und die Süßwasserstelle aufgestellt.
  • Geförderte Institution: Der Mellumrat e. V., Varel, Landkreis Friesland
    Projekt: Erwachsenenbildung anhand von Biotoppflege
    Auf der Insel Wangerooge sind im 2. Weltkrieg zahlreiche Bombentrichter entstanden, die sich als offene Süßwasserflächen zu wertvollen Biotope für Pflanzen und Tiere entwickelt haben. Durch zunehmenden Bewuchs verlanden immer mehr dieser Kleingewässer. Der Mellumrat e.V., ein in der Naturschutzarbeit ehrenamtlich aktiver Verein, der u.a. den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer auf der Insel Wangerooge betreut, hat einen dieser Bombentrichter exemplarisch vom Bewuchs befreit und entschlammt. Durchgeführt wurde diese Aktion im Rahmen eines Arbeitseinsatz von 14 Personen an einem Wochenende im Winterhalbjahr 2008/2009. Durch Exkursionen, ein Referat um den praktischen Einsatz sind außerdem Kenntnisse über das Ökosystem Wattenmeer vermittelt worden.
  • Geförderte Institution: Zweckverband Schlossmuseum Jever
    Projekt: Herstellung eines Winterquartiers für Fledermäuse
    Im Schlossgarten in Jever, Landkreis Friesland, der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, wurde ein unterirdisches Gewölbe, das ursprünglich der Wasserregulierung diente, wieder hergestellt und als Winterquartier für Fledermäuse ausgebaut. Dazu ist der Gang durch ein Eisengitter mit großer Einflugöffnung verschlossen werden. Im hinteren Bereich sind Hohlblocksteine als Hangmöglichkeiten für die Fledermäuse eingebaut worden.
  • Geförderte Institution: Verein Ochsenweide e. V.
    Projekt: Aussichtsplattform am Naturschutzgebiet „Ochsenweide“, Landkreis Wittmund
    Der Verein Ochsenweide e. V. hat unmittelbar am Naturschutzgebiet „Ochsenweide“ bei Esens eine Aussichtsplattform errichtet. Das hierfür vorgesehene Grundstück befand sich bereits im Eigentum des Vereins. Durch die Aussichtsplattform ist jetzt ein Einblick in das nicht zugängliche Hochmoor - Naturschutzgebiet möglich.
  • Geförderte Institution: Sielacht Wittmund mit Sitz in Wittmund
    Projekt: Verbesserung der Gewässerstruktur an der Harle
    Der Wasser- und Bodenverband Sielacht Wittmund nimmt im Rahmen der EU - Wasserrahmenrichtlinie freiwillig an dem Modellprojekt „Marschengewässer“ teil. Die Sielacht, die für große Teile im nördlichen Teil des Landkreises Wittmund zuständig ist, plant neben einem naturnahen Rückhaltepolder und der Entschlammung der Harle, einem der Hauptgewässer des Verbands, auch 11 Nebenarme und Seitengewässer an verschiedenen Stellen anzulegen. Wesentliche Teile der Planungen wurden inzwischen durchgeführt.
  • Geförderte Institution: Der Mellumrat e. V.
    Projekt: Ausstellung zum Thema „Strandvermüllung“
    Umfangreiche systematische Untersuchungen zum Thema Strandvermüllung liegen für die vom Mellumrat e.V. betreuten Inseln Mellum und Minsener Oog an der niedersächsischen Nordseeküste vor. Die Strandvermüllung ist nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein kostenintensives Problem Zudem verenden Vögel und Meeressäuger z.B. in Netzenden. Dies wirft Fragen zum Thema Tierschutz auf. Mit Hilfe von Präparaten, Arrangements und Fotos wird die Thematik einer breiten Öffentlichkeit näher gebracht. Es ist eine Wanderausstellung konzipiert worden, die aus Infotafeln, Tierpräparaten sowie Arrangements mit verschiedenen Müllteilen erstellt wurde.
  • Geförderte Institution: Gemeinden Zetel und Bockhorn, Landkreis Friesland
    Projekt: Naturerlebnis „Südliches Friesland“
    Die Natur- und Kulturlandschaft der Friesischen Wehde im südlichen Teil des Landkreises Friesland ist Teil einer Kooperation zwischen den Gemeinden Bockhorn und Zetel. Der sanfte Tourismus soll gefördert werden. Gemeinsam mit dem Zweckverband Schlossmuseum Jever, der Forstverwaltung und der Naturschutzbehörde des Landkreises Friesland haben die Gemeinden ein Konzept erarbeitet, das den Naturschutz, die Forstwirtschaft und den Tourismus stärker als bisher in Einklang bringt. Durchgeführt wurde u. a. die Bestandsaufnahme der touristischen Potentiale, die Kartierung der vorhandenen Wege und der Infrastruktur, Themenfestsetzungen für Radwege, die Festlegung der Standorte für Text- und Bildtafeln sowie der Druck einer begleitenden Broschüre.

Darüber hinaus sind zwei Umweltbildungsprojekte mit Kindern und Jugendlichen als Sonderpreise gefördert worden:

  • Geförderte Institution: Naturerlebnisabzeichen / Stiftung Naturschutz Ostfriesland
    Projekt: Ausbildung zum Juniorranger
    Anknüpfend an das Naturerlebnisabzeichen Ostfriesland sollte die Möglichkeit geschaffen werden, Kinder und Jugendliche als sog. Juniorranger auszubilden und zu betreuen. Das Naturerlebnisabzeichen weckt mit Hilfe einer Stempelsammelaktion bei Kindern die Begeisterung für die Natur und regt dazu an, mehr Umweltbildungsveranstaltungen zu besuchen. Dabei stehen das direkte Naturerleben und das Kennenlernen verschiedener Lebensräume in Ostfriesland im Vordergrund.
    Es gibt mittlerweile 600 Kinder, die das erste Abzeichen, den Igel, erstanden haben. Unter Anleitung erfahrener Fachleute werden junge Menschen fĂĽr weiterfĂĽhrende Umweltschutz- und Umweltbildungsarbeit begeistert und bekommen die Gelegenheit, verschiedene Arbeitsbereiche zu erkunden, um eigene Schwerpunkte zu finden.
    2008 hat das erste Juniorranger-Camp stattgefunden. Mit diesem Pilotcamp sind erste Erfahrungen gesammelt worden, um den Grundstein fĂĽr die weitere Konzeption des Juniorrangerprogramms zu legen.
    Das Naturerlebnisabzeichen ist sehr erfolgreich und wurde als offizielles UN-Dekadeprojekt 2008/09 ausgezeichnet.
  • Geförderte Institution: Regionales Umweltzentrum Schortens (RUZ), Landkreis Friesland
    Projekt: Gestaltung eines Feuchtbiotops
    In direkter Nachbarschaft zu dem seit einigen Jahren vorhandenen Teich sollte im Garten des RUZ im Klosterpark Oestringfelde, einem Landschaftsschutzgebiet, ein Sumpfbereich/Feuchtbiotop entstehen, das Amphibien, Libellen und anderen Insekten sowie weiteren Kleinlebewesen Lebensraum und Fortpflanzungsmöglichkeiten bietet und zur Erweiterung der Artenvielfalt im Garten beiträgt.
    Das Projekt ist trotz Zusage nicht durchgefĂĽhrt worden.

Die geförderten Projekte werden auch unter Förderungen vorgestellt.

 

4 Erfahrungen und Erfolge

Die Erfolge die aus der Zusammenarbeit mit dem Friesischen Brauhaus zu Jever resultieren werden aus Sicht der Naturschutzstiftung und aus Sicht des Unternehmens dargestellt.

4.1. Erfahrungen und Erfolge aus Sicht der Naturschutzstiftung

Die Verantwortlichen der Stiftung sind sowohl während des Projekts „Umwelt und Küste“ aber auch danach immer wieder darauf angesprochen worden, wie das Brauhaus als Mitstifter gewonnen werden konnte und was die Verantwortlichen im Brauhaus bewogen hat, diesen Schritt zu wagen und Gelder auch über einen längeren Zeitraum als Spenden zur Verfügung zu stellen.
Die Funktion als Mitstifter ist bei der Naturschutzstiftung auch mit Sitz und Stimme im Vorstand der Stiftung verbunden, bedingt also von daher auch ein großes Maß an Verantwortung in Hinblick auf die weitere Entwicklung der Stiftung und Entscheidungen zur Vergabe von Fördergeldern oder der Anlagestrategie beim Stiftungskapital.
Sicher beruht dieser Schritt der Geschäftsführung im Brauhaus zum großen Teil auf der Überzeugungsarbeit, die von den Verantwortlichen der Kreisverwaltung des Landkreises Friesland geleistet wurde. Das allein hat aber sicherlich nicht den wirklich entscheidenden Anstoß gegeben. Wesentlich ist schon die Entscheidung der Geschäftsführung des Brauhauses, sich einer Sache zu stellen, die gesellschaftliche Relevanz hat und in der breiteren Öffentlichkeit als wichtig anerkannt ist. Deutlich wird dies dadurch, dass ein Bezug zur Küstenlandschaft hergestellt wurde und dies auch in Pressemitteilungen zum Ausdruck gebracht wurde. Man stellte deutlich heraus, dass die friesische Landschaft ihre besondere Anziehungskraft hat. Dass die Menschen hier gerne leben und jedes Jahr zahlreiche Touristen die Küste besuchen, sei der beste Beweis, erklärte das Brauhaus in einer Pressemitteilung zu Beginn des Projekts „Umwelt und Küste“.
Im Rückblick müssen Faktoren genannt werden, die die Basis darstellen und eine ganz entscheidende Bedeutung haben um eine vergleichbare Zusammenarbeit wie in diesem Fall zwischen einer Stiftung und einem Unternehmen der freien Wirtschaft zu initiieren und auch zum Erfolg zu führen: Sympathie und Vertrauen zwischen den Akteuren sowie Transparenz insbesondere bei der Vergabe von Fördergeldern durch die Stiftung.
Im Falle der Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven und dem Friesischen Brauhaus zu Jever entwickelte sich diese Basis zwischen dem Landrat des Landkreises Friesland und dem Geschäftsführer des Brauhauses sowie der Geschäftsführung der Stiftung.
Zu Beginn des Projekts „Umwelt und Küste“ 2005 wurden die von Friesischen Brauhaus zu Jever zur Verfügung gestellten Gelder, sei es in Form von Spenden oder als Zustiftung, vom Landkreis Friesland treuhänderisch verwaltet. Der Landrat des Landkreises, gleichzeitig auch Vorsitzender des Stiftungsvorstands, wies mit Hinblick auf die regionale Schwerpunktsetzung des Projekts darauf hin, dass Friesland auf einem bedeutenden Zugweg wandernder Vogelarten liegt und die Rast- und Brutgebiete an der Küste nutzen. Aus der besonderen Verantwortung des Menschen für diese Vogelarten, die sich nicht an Ländergrenzen halten, habe die Europäische Union die Vogelschutzrichtlinie erlassen. Der Landkreis habe sich ebenfalls dieser Verantwortung gestellt und die Meldung von Teile des Küstengebiets im Bereich der Gemeinde Wangerland als Vogelschutzgebiete befürwortet. Darüber hinaus sei es dem Landkreis ein besonderes Anliegen, das Bewusstsein der Menschen für einen nachhaltigen Umgang mit Natur und Umwelt und die Verantwortung für künftige Generationen zu schärfen.
ÜbergabeEs wurde besonders gegrüßt mit dem Friesischen Brauhaus zu Jever nicht nur einen finanziellen, sondern auch vor allem einen ideellen Förderer gefunden zu haben denn das Brauhaus hatte erklärt, das Projekt „Umwelt und Küste“ längerfristig anzulegen und auch als Mitstifter aufzutreten. „Was die Brauerei für die Stiftung tut, ist schon einmalig. Davon können sich manche Unternehmen eine Scheibe abschneiden“, so der Vorsitzende des Stiftungsvorstands gegenüber der Nordwest-Zeitung (Nordwest-Zeitung vom 29.11.2007). Oder die Geschäftsführung in der Wilhelmshavener Zeitung: „Wer die Natur erleben und sie als Teil des schützenswerten Umfeldes begreift, der sollte sie auch schützen. Das privatwirtschaftliche Engagement des Friesischen Brauhauses zu Jever ist beispielhaft und sollte ein gutes Vorbild für andere Unternehmen der Region sein“ (Wilhelmshavener Zeitung 08.12.2007).
Mit dem Errichten der Stiftung besteht die Möglichkeit über die aus öffentlichen Kassen zur Verfügung stehenden Gelder hinaus gezielt und unbürokratisch Projekte zu fördern. Insbesondere in der praktischen Naturschutzarbeit ist es wichtig „nicht mit leeren Händen zu kommen“ um beispielsweise eine Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz für den Schutz von Wiesenbrutvögeln zu initiieren. Wirksamer und effektiver Wiesenvogelschutz ist nur möglich durch enge Abstimmung zwischen Naturschützern und den örtlichen Landwirten.
Begleitet wurde die Aktionen von 2005 – 2008 durch eine intensive Pressearbeit der Stiftung. So über den Verlauf der Aktionen berichtet, insbesondere über die Vergabe der Spendengelder, um auch hier die erforderliche Transparenz herzustellen.

4.2 Erfahrungen und Erfolge aus Sicht des Unternehmens

Erfahrungen und Erfolge aus Sicht des Unternehmens darzustellen ist nur schwer möglich. Dies liegt darin begründet, dass Unternehmen wie das Friesische Brauhaus zu Jever und im Falle des Projekts „Umwelt und Küste“ die Radeberger Gruppe keine Auskünfte darüber erteilen, wie sich derartige Aktionen und Projekte auf den Umsatz, den Absatz von bestimmten Produkten oder andere Faktoren ausgewirkt haben. Zum Teil ist dies auch schwierig zu bewerten, da die Aktion 2006 während der Fußballweltmeisterschaft und die Aktion 2008 während der Fußballeuropameisterschaft stattfanden. Dies hat sich nach Aussage des Brauhauses auf den Absatz aller Marken ausgewirkt. Die Steigerung des Absatzes von Produkten bestimmten Faktoren zuzuordnen und dies auch zeitlich zu differenzieren, ist nach Aussage des Brauhauses nicht möglich.
Den Pressemitteilungen des Brauhauses und den Pressenotizen zu den einzelnen Aktionen in den Jahren 2005 – 2006 lassen sich jedoch Informationen entnehmen, die auf eine Einschätzung durch das Unternehmen schließen lassen.
Der Geschäftsführer des Brauhauses äußerte in der Wilhelmshavener Zeitung vom 30.09.2005, dass man den Standort Jever wieder stärker in der Region verankern möchte. Als Unternehmen sehe das Brauhaus sich in der Verantwortung. Schließlich brauche auch ein gutes Jever nichts so sehr wie sauberes Wasser aus gesunder Natur. Allerdings machte der Geschäftsführer in dem Interview auch keinen Hehl daraus, dass das Brauhaus sich durch das Engagement höhere Verkaufszahlen verspricht.
Mit dem Projekt „Umwelt und Küste“ verband das Brauhaus in klares Bekenntnis zur Region. „Umwelt und Küste“ sind zwar nach der Aktion im Jahr 2008 noch nicht weitergeführt worden, entscheidend ist jedoch der Entschluss des Brauhauses, Mitstifter zu werden, sich also dauerhaft zu binden und damit eine Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Die Funktion des Mitstifter sieht das Brauhaus als das Erbringen eines verantwortungsvollen Beitrags für die Region (Beilage zur Wilhelmshavener Zeitung vom 14.06.2008).
Nach Abschluss der Aktion 2005 bemühte sich das Friesische Brauhaus um einen Termin beim damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Es wurde der Wunsch geäußert, den Ministerpräsidenten Anfang 2006 über das Projekt „Umwelt und Küste“ zu informieren und den Betrag in Höhe von 130.000 € in Form einen Scheck damals noch an den Landkreis Friesland zu übergeben (s. Kap. 1.3.1). Christian Wulff äußerte sich gegenüber dem Jeversches Wochenblatt und der Nordwest-Zeitung vom 24.02.2006 dahingehend, dass jedes privatwirtschaftliche Engagement für die gute Sache ein lobenswertes Signal sei. Der Erhalt der Natur in Niedersachsen könne nicht allein von staatlichen Behörden finanziert werden. Deshalb sei es richtig und wichtig, dass auch Unternehmen zum Umwelt- und Naturschutz beitrügen.
Auch die Höhe des Betrags, der für das Projekt „Umwelt und Küste“ zur Verfügung gestellt werden konnte, scheint die Verantwortlichen überrascht zu haben, denn der Geschäftsführer des Brauhauses äußerte sich gegenüber der Presse dahingehend, dass die Spende höher ausgefallen sei als erwartet (Jeversches Wochenblatt vom 24.02.2006).
Die Resonanz auf den Beginn des Projekts „Umwelt und Küste“ scheint die Verantwortlichen beim Friesischen Brauhaus zu Jever zudem überzeugt zu haben das Thema Naturschutz im Jahr 2006 nicht nur fortzusetzen, sondern auch länger und jeweils in einem neuen Rahmen zu forcieren (Jeversches Wochenblatt vom 24.02.2006). Daher standen die Aktionen von 2006 – 2008 jeweils unter einem anderen Motto.
Sehr wichtig war den Verantwortlichen des Brauhauses die Transparenz bei der Vergabe der Spendengelder. Bei allen Aktionen im Zeitraum von 2005 – 2008 konnte nachvollzogen werden, wofür die Gelder verwendet werden sollten. Durch den Wettbewerb im Jahr 2008 wurde daher auch die Öffentlichkeit einbezogen, die sich mit Projektideen einbringen konnte.
Wie wurde das Projekt mit seinen Aktionen in den Jahren 2005 – 2008 aufgenommen. Das Brauhaus ging nach der letzten Aktion 2008 davon aus, dass es bei vielen Gästen offenbar gut ankommt „friesisch herb zu genießen“ und gleichzeitig etwas für die Urlaubsregion tun (Jeversches Wochenblatt vom 22.07.2008).
In der Öffentlichkeit wurde betont, das „alle profitieren“, so ein Kommentar in der Nordwest-Zeitung vom 23.09.2005. Positiv aufgenommen wurde, das das Brauhaus mit den Spenden und mit der Entscheidung als Mitstifter aufzutreten, den Grundstock für ein langfristig angelegtes Schutzprojekt gelegt hat (Jeversches Wochenblatt vom 30.09.2005). Auch die Betonung der regionalen Verbundenheit wurde positiv gesehen, da das Geld in der Region bleibt (Jeversches Wochenblatt vom 01.10.2005). Der Hinweis des Kommentators, dass es fatal wäre auf eine Verbesserung der Finanzlage der öffentlichen Hände zu warten und „es lieber selbst anzupacken“ weist auf gutes Maß an Selbstvertrauen hin und würdigt damit auch den Beitrag des Friesischen Brauhauses zu Jever unter anderem bei einer nachhaltigen Verbesserung des Vogelschutzes.
Das das Engagement des Friesischen Brauhauses zu Jever auch überregional gewürdigt wurde wird im Magazin der Radeberger Gruppe deutlich in dem über die Plattform auf der Insel Wangerooge berichtet wird: „Es gibt viele Möglichkeiten sich jenseits des Sudkessels zu engagieren. Wir tun dies mit voller Überzeugung“ (Radeberger Gruppe KG, 2007).

 

5 Ausblick

Das Friesische Brauhaus zu Jever hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven sich seit ihrer Errichtung 2006 zu einer etablierten Einrichtung entwickelt hat. So konnten bis Ende 2010 Projekte mit Fördergeldern in Höhe von insgesamt rd. 96.000 € unterstützt werden. Für den Ankauf, die Pflege und Betreuung von Flächen wurde eine Summe von rd. 252.000 € investiert. Diese Entwicklung macht Mut für die Zukunft.

 

Literaturverzeichnis

  • Akten der Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven
  • Akten des Landkreises Friesland, Aktenverz. 66.41.41
  • Radeberger Gruppe KG (2007): Das Magazin der Radeberger Gruppe KG, Ausg. 4/2007, S. 25, Frankfurt
  • Wilhelmshavener Zeitung, Wilhelmshaven (WZ) v. 30.09.2005, 24.02.2006, 25.02.2006, 24.08.2007, 11.10.2007, 26.10.2007, 29.11.2007, 08.12.2007, 09.12.2008, 22.07.2008
  • Beilage zur Wilhelmshavener Zeitung -Aspekte der interkommunalen Zusammenarbeit im Jade-Weser-Raum- v. 14.06.2008
  • Sonderbeilage zur Wilhelmshaver Zeitung v. 08.12.2007
  • Nordwestzeitung, Oldenburg (NWZ) v. 30.09.2005, 01.10.2005, 24.02.2006, 25.02.2006, 24.08.2007, 12.10.2007, 26.10.2007, 29.11.2007, 22.07.2008, 09.12.2008
  • Jeversches Wochenblatt, Jever (JW) v. 30.09.2005, 01.10.2005, 24.02.2006, 27.02.2006, 14.08.2007, 18.08.2007, 24.08.2007, 11.10.2007, 26.10.2007, 28.11.2007, 22.07.2008, 09.12.2008
  • Anzeiger fĂĽr Harlingerland, Wittmund v. 30.09.2005, 24.02.2006, 12.10.2007, 30.11.2007, 23.07.2008
  • Ostfriesische Nachrichten, Aurich v. 27.10.2007 u. 23.07.2008
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Jever_(Bier) (2010)

 

Dipl.-Ing. Armin Tuinmann
Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven
Lindenallee 1
D-26441 Jever
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Tel. 0049 (0) 4461/919-5100

 

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